Gedenken und Ehrungen bei den Maltesern

Geehrte und Gratulanten: Fritz Draxinger (v.l.) Freyungs stellvertretender Landrat Franz Brunner, Thomas Eder, stellvertretender Diözesanleiter Ludwig Berger, Clemens Damberger, Passaus Bürgermeister Andreas Rother, Walter Scheu, Dr. Michael Hübner, Dr. Karl Benedikt Freiherr von Moreau, Passaus Landrat Raimund Kneidinger und Diözesanseelsorger Stadtpfarrer Johannes B. Trum. Foto: Krenn

Passau. Auch von Corona haben sich die Malteser nicht von ihrer Tradition abhalten lassen, am Tag ihres Ordensgründers des seligen Gerhard ihrer Verstorbenen zu Gedenken und langjährige Mitglieder zu ehren. Freilich war diesmal einiges anders als in den Vorjahren.

Das fing schon damit an, dass wohl noch nie so viele Besucher beim Gedenkgottesdienst in St. Anton waren, obwohl dieser heuer ohne Vertreter von befreundeten Vereinen und Organisationen stattfinden musste. Mit Einhaltung der Abstandsregeln war die Kirche voll besetzt. An der Orgel umrahmte die Feier Robert Kabuye.

Diözesanseelsorger Stadtpfarrer Johannes B. Trun begrüßte seine Malteser mit Worten zum seligen Gerhard: „Er hat es verstanden, durch sein Wirken etwas an Erbe zu hinterlassen, wovon auch wir profitieren: das Helfen, das Dasein füreinander.“

In seiner Predigt ging der Geistliche auf die digitale Vernetzung ein. „Wir alle wissen aber zur Genüge, allein damit werden leider noch lange nicht die Menschlichkeit und Fürsorge verschweißt. Dazu braucht es mehr als Technik, dafür ist sensible Nächstenliebe, empathische Hilfsbereitschaft notwendig“, betonte er. Dafür hätten die Malteser im seligen Gerhard ein großes Vorbild. „Gerhard konnte begeistern mit seinem treuen Glauben und seiner dienenden Fürsorge für Hilfsbedürftige. Und zwar so sehr, dass auch Männer adeligster Herkunft es ihm gleichtun wollten., ihre Ritterrüstung ablegten, mit der Uniform der Bruderschaft vom heiligen Johannes ersetzten und eine mönchische Gemeinschaft nach der Regel des heiligen Augustinus erwuchs.“

Im Hinblick auf den Funkmast, der kürzlich in Passau wegen des geplanten Treffens der EU-Verkehrsminister errichtet wurde, erklärte Pfarrer Trum: „Sein Werk und seine Malteser, wie wir seine Getreuen heute nennen, sind wie ein Funkmast der christlichen Welt. Sie durchstrahlen den Äther seit 900 Jahren mit dem Geist der Gottes- und Nächstenliebe.“

Am 3. September 1120 ist Gerhard verstorben, so Pfarrer Trum weiter: „Auch wenn er nun schon 900 Jahre als Seliger daheim im Himmel ist, bleibt er doch unser Fürsprecher. Sein Werk ragt heute noch in den Himmel. Die Verbindung von ihm zu uns ist nicht unterbrochen. Er hilft uns. Dazu braucht es kein Handy, aber unser glaubendes Herz.“

Vor dem Segen sagte der Diözesanseelsorger seinen Maltesern: „Vergelt’s Gott für euer Zeugnis des Glaubens und der Nächstenliebe. Ich bin stolz und dankbar.“ Danach fand in den vergangenen Jahren im Pfarrheim ein gemütliches Beisammensein statt, bei dem auch langjährige Mitglieder geehrt wurden. Die Auszeichnungen wurden in diesem Jahr nach dem Gottesdienst überreicht, das Beisammensein musste entfallen.

Der Passauer Bürgermeister Andreas Rother erklärte in seinem Grußwort, auch im Namen des Passauer Landrates Raimund Kneidinger sowie des stellvertretenden Landrats von Freyung-Grafenau Franz Brunner: „Das Ehrenamt ist ein unbezahlbarer Dienst in und für unsere Gesellschaft. Das ist ein sehr wertvoller Schatz. Ehrenamt ist nicht Arbeit, die nicht bezahlt wird, sondern Arbeit, die unbezahlbar ist.“ Helfen mache „Spaß und glücklich“, das hätten Glücksforscher und Psychologen längst erkannt. „Es stärkt das Selbstwertgefühl und kann das eigene Leben verändern.“ Die Auszeichnung mit dem Ehrenzeichen sei eingeführt worden, „um einmal Dankeschön sagen zu können für ihre Ausdauer, Kreativität, Umsicht, Verlässlichkeit und ihr Einfühlungsvermögen.“

Zusammen mit seinen Kollegen und dem stellvertretenen Diözesanleiter Ludwig Berger überreichte Bürgermeister Rother die Auszeichnungen. Das Ehrenzeichen am Bande des Freistaates Bayern für 25-jährige Dienstzeit sowie die Malteser Ehrennadel in Silber erhielten Thomas Eder aus Waldkirchen, Dr. Michael Hübner aus Passau sowie Dr. Karl Benedikt Freiherr von Moreau aus Ruhstorf. Mit dem Ehrenzeichen am Bande des Freistaates Bayern für 40 Jahre Dienst sowie der Malteser Ehrennadel in Gold wurde Walter Scheu aus Pocking dekoriert.

Besonders hohe Auszeichnungen wurden an zwei echte Malteser-Urgesteine überreicht. Clemens Damberger aus Passau erhielt für 50-jährige Dienstzeit der Große Ehrenzeichen des Freistaates Bayern sowie die Malteser Ehrennadel in Gold mit Granat. Träger der Malteser Dankplakette, die nur sehr selten verliehen wird, ist nun Fritz Draxinger aus Waldkirchen-Karlsbach. Ihm überreichte Ludwig Berger dazu auch die Ehrennadel in Gold mit Granat.

Der stellvertretende Diözesanleiter erklärte, dass noch ein weiterer verdienter Malteser das Ehrenzeichen und die Ehrennadel hätte bekommen sollen: Dr. Laszlo Fodor, langjähriger Diözesanarzt und vor allem in der Bereitschaft Freyung-Grafenau aktiv. Er lebt nun in Berlin und hat die Malteser wissen lassen, dass er es sehr bedauert, aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Feier teilnehmen zu können.

Begründungen für die Auszeichnungen:

Thomas Eder, Waldkirchen

Er kam als Jugendlicher zur Jugendgruppe Karlsbach und war dort viele Jahre ein engagiertes Mitglied im Kreis seiner Freunde und Jung-Malteser. Später leitete er zusammen mit seiner Ehefrau diese Gruppe und war Ansprechpartner und Vertrauter für die jungen Malteser. Als Erwachsener wechselte er zur Pfarrgruppe Karlsbach, wo er sich weiterhin einbrachte und die Gruppe aktiv unterstützte. So nahm er am Bundeswettbewerb 2001 in Nettetal teil, wo er mit seiner Gruppe den 1. Platz erringen konnte. Seit vielen Jahren ist er als Erste-Hilfe-Ausbilder tätig und unterstützt in Freyung-Grafenau das Ausbilder-Team.

Dr. Michael Hübner, Passau

Er begann seine Malteser Karriere als Zivildienstleistender im Rettungsdienst. Seitdem ist er mit seinen hochwertigen Qualifikationen (Rettungssanitäter und Zugführer) bei vielen Sanitätsdiensten und Großschadensereignissen eine unverzichtbare Stütze der Passauer Malteser. Außerdem leitet er seit langem die in Passau stationierte Schnelleinsatzgruppe Transport.

Dr. Karl Benedikt Freiherr von Moreau, Ruhstorf

Das Malteserstift St. Nikola ist eines der größten Malteser-Altenheime. Seit vielen Jahren übt Freiherr von Moreau die Funktion des Kuratoriumsvorsitzenden aus und unterstützt den Ethik-Beirat beratend. Für die Malteser Passau ist seine Vernetzung im öffentlichen Leben von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Besonders hervorzuheben sind hier seine guten Kontakte zur Kirche oder zum Festspielverein Europäische Wochen.

Walter Scheu, Pocking

Er stellt das Idealbild eines ehrenamtlichen Helfers dar, für den der Dienst für den Nächsten eine Selbstverständlichkeit ist. Seit Jahrzehnten steht er immer bereit, Menschen zu helfen. Er leistet Sanitätsdienst am Dom und versorgt auf der Ministrantenwallfahrt die Teilnehmer mit Getränken. Als Fahrzeugwart sorgt er dafür, dass die Katastrophenschutzfahrzeuge einsatzbereit sind und die Fahrzeughalle in Schuss ist. Corona-Teststation, Flüchtlingshilfe, Notfalleinsätze und Katastrophen, Verpflegungseinsätze, Betreuung von Senioren, Jugendarbeit: Bei allen Einsätzen zeichnet er sich durch sehr großes Engagement aus.

Clemens Damberger, Passau

Im Laufe eines halben Jahrhunderts hat er getreu dem Leitspruch „Wahrung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“ unzählige Dienststunden für die Bürgerinnen und Bürger von Passau geleistet. Clemens Damberger war als einer der Architekten maßgeblich für den Aufbau des ehrenamtlichen Bereiches des Malteser Hilfsdienstes in Passau verantwortlich. Als Gruppenführer und Zugführer sorgte er dafür, dass Einsätze gut organisiert wurden und ehrenamtliche Helfer sich bei den Maltesern wohlfühlen konnten. Hilfstransporte und Reisen mit Rollstuhlfahrern führten ihn in viele Länder der Welt. Sein Wissen und seine Erfahrung brachte er auch in seine Funktionen als Kassenprüfer, Mitverfasser der Vereinschronik und als Verbandsrat im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehr ein. Im Jahre 2005 wurde Clemens Damberger zum Stadtbeauftragten von Passau berufen und vertrat in dieser wichtigen Funktion die Belange und Interessen des Malteser Hilfsdienstes engagiert und tatkräftig.

Fritz Draxinger, Waldkirchen-Karlsbach

Er kam als 17-Jähriger zu den Maltesern in Büchlberg. Nach Abschluss seines Ausbilderlehrganges hielt er in vielen Pfarreien in der Diözese Passau Erste-Hilfe- und Sanitätskurse. In vielen Gemeinden entstanden nach diesen Kursen Ortsgruppen der Malteser. Im damaligen Landkreis Wolfstein gründete er die Ortsgruppen in Karlsbach, Fürholz, Hohenau, Finsterau, Haidmühle, Philippsreut und Freyung. Fritz Draxinger wurde hauptamtlicher Ausbildungsreferent der Malteser in der Diözese Passau.

Er wurde einer der wenigen Lehrscheininhaber in Bayern und durfte damit auch Ausbilderlehrgänge halten. Ein besonderes Anliegen war es ihm, die Ortsgruppe Karlsbach aus- und fortzubilden. So übernahm er viele Jahre das Training für die Diözesanwettbewerbe und führte seine Gruppe Karlsbach wiederholt zum Gewinn dieser Wettbewerbe. Seine Ausbildungsbemühungen führten die Malteser aus Karlsbach sogar zum Gewinn des Bundeswettbewerbes im Jahr 1987. In den späten 1970-er Jahren wechselte er als Ausbildungsreferent von Passau nach München. Nach seiner hauptamtlichen Tätigkeit bei den Maltesern wechselte er in die Pharmaindustrie und wurde bei der Firma Pfizer einer der führenden Mitarbeiter.

In dieser Zeit veranstaltete er in seiner Heimatgemeinde Karlsbach viele große Fußballfeste mit Klinikmannschaften aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Aus dem Erlös dieser Veranstaltungen bedachte er die Pfarrgemeinde Karlsbach und auch die ortsansässigen Vereine mit großzügigen Spenden. Auch die Malteser Ortsgruppe Karlsbach kam dabei nie zu kurz. Nach seiner Versetzung in den Ruhestand kam Fritz Draxinger wieder zurück zu den Maltesern in der Diözese Passau. Er hält auch heute noch selbst Erste-Hilfe-Kurse im Landkreis Freyung-Grafenau und hilft auch gerne mal in Passau aus. In der Kreisgliederung FRG wurde er zum ehrenamtlichen Ausbildungsleiter berufen. In dieser Funktion hat er die Ausbildungszahlen unwahrscheinlich gesteigert.