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Malteser Passau

„Alleine glauben ist ganz schön anstrengend“

Silvia Schiessl sprach über die Zeugen Jehovas

05.07.2018
Foto: Krenn

Passau. Das Thema interessiert die Menschen. Das zeigte sich beim Vortrag „Meine Zeit bei den Zeugen Jehovas“ von Silvia Schiessl (Foto l.) vor zahlreichen Zuhörern im Malteser-Seniorentreff, viele von ihnen waren zum ersten Mal in den Zwinger gekommen.

Silvia Schiessl wurde sozusagen in die Glaubensgemeinschaft hineingeboren, trat aber mit 26 Jahren aus. Es sei dies „eine ganz besondere Biografie“, hatte Leiterin Gertraud Reichart (Foto r.) in ihren Einführungsworten erklärt. „Wir wissen alle, dass es die Zeugen Jehovas gibt, aber wir wissen nichts Genaueres. Eine Meinung kann man sich nur bilden, wenn man von etwas weiß.“

In der Tat erfuhren die Besucher vieles über die Religionsgemeinschaft, an die die Kinder von klein auf herangeführt werden. Drei Mal in der Woche gehen die Gläubigen in die Versammlung, dann gibt die Predigtdienstschule, das Wachturmstudium und vieles mehr. „Wenn er seinen Glauben ernst nimmt, setzt sich ein Zeuge Jehovas täglich intensiv mit dem Wort Gottes auseinander“, erklärte Silvia Schiessl. Weltliche Kontakte sollten vermieden werden, weil sie vom Glauben abhalten könnten. Diese Abkapselung halte sie für gefährlich, sie habe am eigenen Leib erlebt, wozu das führen kann. Dies ginge in eine Richtung, wie Sekten funktionieren.

Als sie die Glaubensgemeinschaft verlassen hat, berichtete Silvia Schiessl weiter, hatte sie deshalb alle sozialen Kontakte verloren und sei völlig isoliert gewesen. „Keine Freunde, keine Vergangenheit. Den grüßt man nicht mehr, den sieht man auf der anderen Straßenseite nicht mehr, der wird behandelt wie Luft“, beschrieb sie den Umgang mit denen, die austreten.

Es werde weder Geburtstag noch Weihnachten oder Ostern gefeiert, sondern nur einmal im Jahr das Abendmahl. Die Zeugen Jehovas glauben, dass ein Krieg kommt. Gott würde entscheiden, wer ihn überlebt und wer nicht. Nur wer zu den Zeugen Jehovas gehört, würde überleben. „Damit habe ich ein Problem. Aber es gibt gute und schlechte Sachen“, sagte Silvia Schiessl. Sie betonte aber, dass ihr Vortrag keine „Generalabrechnung mit dieser Glaubensrichtung“ sein solle. „Weil ich dadurch meinen tiefen Glauben bekommen habe. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die diesen Glauben leben.“ Aber sie würden nur Weiß und Schwarz sehen, es gebe keine Grautöne. „Wichtig ist, dass man selber den Glauben in sich spürt. Egal, welchen Weg man geht.“

Die vierfache Mutter ist jetzt katholisch und arbeitet im Bischöflichen Ordinariat. Sie hat sich in der Osternacht 2014 taufen lassen. Denn sie habe mit der Zeit bemerkt: „Alleine glauben ist ganz schön anstrengend.“ Das sei ein ganz wichtiger Punkt gewesen, warum sie sich wieder für eine Gemeinschaft entschieden habe. Sie ist Oblaten-Anwärterin bei den Benediktinerinnen der Anbetung im Kloster Neustift. Oblaten sind Christen, die nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia und in Verbindung zu einem bestimmten Benediktinerkloster leben, ohne Mitglied eines Konvents zu werden.

Die Zuhörer hatten viele Fragen und es wurde eifrig diskutiert an diesem Nachmittag. Immer wieder sprachen die Besucher Silvia Schiessl ihren Respekt dafür aus, dass ihr Vortrag tatsächlich keine „Generalabrechnung“, sondern objektiv, interessant und lebendig war.

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