Navigation
Malteser Passau

Josef Eizenhammer erzählt, wie alles begann

60 Jahre Malteser in der Diözese Passau

13.08.2018
Josef Eizenhammer heute mit einer Sanitätstasche, wie sie die Malteser jahrzehntelang bei verschiedensten Einsätzen dabeihatten. Foto: Krenn
Als „Männer der ersten Stunde“ zeichnete Diözesanleiter Georg Adam Freiherr von Aretin (v.r.) im Jahre 1995 den ersten Geschäftsführer Josef Eizenhammer, den ehemaligen Caritasdirektor Prälat Ludwig Penzkofer und den ehemaligen stellvertretenden Diözesanarzt Dr. Rudolf Sirtl mit der Ehrennadel in Gold aus.

Passau. Heuer feiern die Passauer Malteser ihren 60. Geburtstag. In der Chronik, die dazu neu aufgelegt werden soll, steht als erster Eintrag geschrieben: „September 1958: Sepp Eizenhammer wird von Caritasdirektor Prälat Ludwig Penzkofer beauftragt, die ersten Arbeiten zur Gründung des Malteser Hilfsdienstes in der Diözese Passau zu koordinieren.“ Der inzwischen 82-Jährige Josef Eizenhammer kann sich an diese Zeit erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Der junge Mann arbeitete damals beim Caritasverband ein Darlehen ab, das ihm für sein Studium gewährt worden war. Nach ein paar Wochen sei Caritasdirektor Prälat Ludwig Penzkofer mit einer Mappe zu ihm gekommen und habe gesagt: „Eizenhammer, du bist der Jüngste im Haus. Schau dir das an. Du machst das.“ Es waren die Richtlinien zur Einrichtung einer Geschäftsstelle des Malteser Hilfsdienstes. Und Josef Eizenhammer machte das: „Da musste ich nicht überlegen. Das hat mich interessiert und ich habe Gefallen daran gefunden.“

„Das ist ein Büro und kein Lager. Das muss raus“, habe sein Chef gesagt, als er die Koffer und Sanitätsausrüstung an seinem Arbeitsplatz gesehen habe, berichtet Josef Eizenhammer weiter. Im Obdachlosenheim in der Höllgasse fanden die Malteser im Januar 1959 schließlich ihr erstes festes Domizil in Passau. „Von dort aus habe ich Kurse und Lichtbildervorträge landauf, landab organisiert. Mit den Diavorträgen hatte ich viel Erfolg. Und die ganze schriftliche Arbeit musste auch getan werden“, erinnert sich Josef Eizenhammer, selbst ein gebürtiger Höllgassler, der schon seit vielen Jahren in Hals lebt. Die Umstände waren nicht ganz einfach. Es gab kein Telefon und auch die Heizung ließ zu wünschen übrig. „In der Winterzeit musste ich den Kanonenofen selber einheizen. Das dauerte, bis das Zimmer warm war“, sagt Josef Eizenhammer. Außerdem hatte er kein eigenes Auto und musste immer jemanden bitten, ihn zu fahren.

Sorgfältig hat er Festschriften und Urkunden seiner zahlreichen Auszeichnungen aufgehoben sowie Presseberichte und Bilder. Am 16. Dezember 1958, es dürfte der erste Artikel über die Passauer Malteser in der PNP sein, schreibt diese unter anderem: „Neben dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter-Unfallhilfe und dem Arbeiter-Samariterbund wurden auch die deutschen Malteserritter von der Regierung beauftragt, die Bevölkerung in Erster Hilfe auszubilden. Seine Aufgabe sieht dieser Hilfsdienst in der Ausbildung und dem Einsatz in der Unfall- und Katastrophenhilfe, in der häuslichen Krankenpflege, im Bereitschaftsdienst bei großen Veranstaltungen und bei Fahrten und Lagern der katholischen Organisationen. Der Malteser-Hilfsdienst führte in Wegscheid einen Lehrgang in häuslicher Krankenpflege durch; es war dies der erste in Niederbayern dieser Hilfsorganisation.“

 Manche Sätze aus dem 60 Jahre alten Artikel sind noch immer erstaunlich aktuell. Darin steht etwa: „Caritasdirektor Penzkofer wies in einer kurzen Rede darauf hin, daß in unserer Zeit mit Vorliebe alles auf staatliche Institutionen abgewälzt werde. Dies stelle eine Gefahr und eine ungesunde Entwicklung dar. Es sei daher ein Lichtblick, wenn Bestrebungen im Gange seien, die die Hilfsbereitschaft untereinander pflegen und fördern und sich um die Erlangung der nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten bemühen.“ In einer anderen Stelle des Berichtes ist der damalige Diözesanleiter Reg.-Rat Dr. Gustav Graf von Preysing wie folgt zitiert: „Bei dem heutigen starken Straßenverkehr mit den vielen Unglücksfällen ergibt sich schnell Gelegenheit, vor Eintreffen des Arztes zweckmäßige Erste Hilfe zu leisten und Menschen dadurch am Leben zu erhalten.“

Josef Eizenhammer war damals als Fürsorger beim Katholischen Jugendfürsorgeverein e. V. angestellt und erledigte die meiste Aufbauarbeit für den MHD, wie die junge Hilfsorganisation allerorts genannt wurde, nebenher. „Ich war wöchentlich wenigstens drei Mal bis 1.00 und 2.00 Uhr nachts unterwegs. Meine gesamte Freizeit habe ich für den Aufbau des Malteser Hilfsdienstes zur Verfügung gestellt. Ich war damals noch damenlos“, erinnert sich der fünffache Familienvater heute noch ganz genau. „Dabei wurde ich oft begleitet und beraten durch aktive Mitarbeit des Diözesanarztes Dr. Otto Fahrnholz. Durch seinen Einsatz verhalf er dem MHD wirksam und schnell zu dem damals noch nicht vorhandenen Ansehen in der Diözese.“ Noch gut weiß Josef Eizenhammer auch, dass der erste Sanitätskurs im Kloster Niederalteich stattfand und die erste Unfallhilfsstelle im Pfarramt Hengersberg eingerichtet wurde, später gab es auch eine am Passauer Bahnhof bei der Bahnhofsmission.

Zum 25-jährigen Bestehen der Malteser im Jahre 1983 schrieb Josef Eizenhammer Erinnerungen in einem Brief an Diözesanleiter Dr. med. Florian Raith nieder. Darin heißt es unter anderem: „Während bei der Fronleichnamsprozession 1959 die Malteser-Fahne noch von mir alleine ohne Begleiter durch die Altstadt von Passau getragen wurde, hatte sich in der Folgezeit vornehmlich auch durch die Unterstützung von Caritasdirektor Penzkofer der MHD zu seinem Vorteil entwickelt. Freiwillige Helfer meldeten sich von selbst zur Mitarbeit.“

Mit der Zeit gab es für den „Freizeit-Geschäftsführer“ immer mehr zu tun. Zu viel, wie sich irgendwann herausstellte. „Neben einer 48-Stunden-Woche, bei der ich bis Samstagnachmittag arbeiten musste, ging das nicht mehr. Ich kam nicht mit meiner Freizeit, aber mit meiner Dienstzeit in Konflikt“, erklärt er. „So musste ich nach gut einem Jahr Aufbauarbeit die mir ans Herz gewachsene Tätigkeit an jemand anderen abgeben.“ Am 1. Februar 1960 wurde Robert Tolksdorf erster hauptamtlicher Geschäftsführer der Malteser in der Diözese Passau und folgte damit Josef Eizenhammer nach. Dessen Lebensweg ging in eine andere Richtung, er wurde später Kreisjugendpfleger in Passau.

Eigentlich müsste man Mitglied werden, dachte sich Josef Eizenhammer irgendwann und unterschrieb den Mitgliedsantrag, der am 1. Oktober 1959 vom Vorstand der Malteser in Köln positiv beschieden wurde. „In ganz Deutschland war ich die Nr. 1015“, berichtet er stolz und zeigt das Schreiben des Präsidenten Lazy Graf Henckel von Donnersmarck, das er natürlich auch aufbewahrt hat. Bis heute ist Josef Eizenhammer Mitglied bei den Maltesern. So lange wie niemand anderer in der ganzen Diözese. Er fühlt sich ihnen nach wir vor verbunden und nimmt regen Anteil an deren Aktivitäten.

So haben die Malteser, welche täglich Kinder von und zur Severin- und Don-Bosco-Schule in Grubweg bringen, seine Hochachtung: „Ich bewundere, mit welcher Aktivität sie arbeiten. Ich habe ihnen zugesehen, wie sie Kinder vom Rollstuhl in den Bus heben. Sie gehen sehr achtsam und verständnisvoll mit ihnen um. Sie zeigen dabei sehr viel Mitgefühl. Wenn es die Malteser nicht schon geben würde, dann müssten sie heute gegründet werden.“

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE08370601201201217993  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7