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Malteser Passau

„Ausdruck und Angebot zur Begegnung“

Vernissage zum Kunstprojekt DemenzArt

23.09.2019
Große Freude über eine tolle Aktion (v.l.): Kuratoriumsvorsitzender Dr. Karl Benedikt Freiherr von Moreau, Koordinatorin Sozialdienste Esther Teijeira, Wohnbereichtsleiterin Anneliese Penn, Hausleiterin Claudia Hartinger, Diözesanausbildungsreferentin Tanja Petzi, Pressereferentin Rosmarie Krenn, Claudia Bachl von der Stadt Passau, stellvertretender Landrat Klaus Jeggle sowie die Stadträte Sissi Geyer und Clemens Damberger.Foto: Gabriele Blachnik
Dieses Bild mit dem Titel „Ohne Seele“ hat Tanja Petzi besonders berührt. Es ist auch das Titelbild des Ausstellungskataloges. Foto: Esther Teijeira

Passau. Zur Vernissage des Kunstprojektes DemenzArt im Malteserstift St. Nikola konnte Hausleiterin Claudia Hartinger im voll besetzten Speisesaal zahlreichen Ehrengäste, Interessierte und natürlich auch die Künstler, Bewohner des Seniorenheims, begrüßen. Im Rahmen der 1. Bayerischen Demenzwoche hatte das Malteserstift zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst demenziell erkrankte Bewohner zum Malen eingeladen und es ist erstaunlich, was daraus entstanden ist.

„Dieses Projekt war für mich eine sehr große Herausforderung. Anfangs wussten wir nicht, was daraus wird und ob wir überhaupt etwas ausstellen können. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir Ihnen heute mehr als 30 Exponate zeigen können“, sagte Claudia Hartinger bei der Begrüßung.

Anneliese Penn, Wohnbereichsleiterin 1, stellte das Böhm-Konzept vor: „Ich möchte Ihnen etwas über Erwin Böhm erzählen, damit Sie wissen, wonach wir auf der gerontopsychiatrischen Station arbeiten“, erklärte sie. Prof. Böhm habe versucht, langjährige Psychiatriepatienten wieder auszugliedern. Sein Ziel war es, dass sie so leben konnten wie früher. „Auch in unserer Hausgemeinschaft leben die Bewohner so wie früher“, so Anneliese Penn weiter. Das Umfeld und der Tagesablauf werden so wie in alter Zeit gestaltet. So gibt es auf der Station Möbel der 1950er und 1960er Jahre. „Gleichmäßige und wiederkehrende Strukturen und Rituale sind von großer Bedeutung“, betonte die Wohnbereichsleiterin. Ganz wichtig sei dabei ein reger Austausch von Angehörigen und Mitarbeitern.

Tanja Petzi, Diözesanausbildungsreferentin der Malteser und Fachkraft für Gerontopsychiatrie, berichtete über die Malaktionen, wie die Werke entstanden sind und stellte die Künstler vor. Zusammen mit Esther Teijeira, Koordinatorin Sozialdienst im Stift, sowie Rosmarie Krenn, Pressereferentin der Malteser, hat sie das Projekt organisiert und begleitet.

„Ich hatte die Idee, dass wir uns mit einem Kunstprojekt an der 1. Bayerischen Demenzwoche beteiligen und Frau Hartinger war sofort dabei“, sagte Tanja Petzi „Wir treffen uns mit den Bewohnern zu einem kreativen Nachmittag. Das war mein Grundgedanke. Der erste Nachmittag war eines der einschneidendsten Erlebnisse, die ich während meiner langjährigen Erfahrung gemacht habe.“ Man merkte ihr dabei deutlich an, wie sehr sie das Projekt auch emotional berührt hat. Davon zeugte auch ihr weiterer Bericht.

„Die Bewohner waren sofort begeistert und haben angefangen zu malen. An diesem Nachmittag ist mir ein Bild besonders aufgefallen. Eine Bewohnerin, die mittelgradig dement und sonst sehr unruhig, verwirrt und agitiert ist, sitzt geschlagene eineinhalb Stunden lang vor einem Blatt Papier. Sie ist völlig versunken, malt mit Kreide und ihren Händen. Herrlich! Die Dame hat ein Herz gemalt, mit einer Leidenschaft und Hingabe, wie ich es vorher noch nie gesehen habe.“

Als sie fertig war, habe sie es vermeintlich mit „O. S.“ signiert. Doch es war keine Signatur. Als Tanja Petzi sie darauf ansprach, sagte die Frau, die beiden Buchstaben bedeuten „Ohne Seele.“ „Ich war fast zu Tränen gerührt“, erklärte Tanja Petzi. Im späteren Gespräch habe sich herausgestellt, dass die Dame sich mit ihrer Erkrankung so fühlt: Ohne Seele. „Das war der Moment, in dem ich wusste: Das war das richtige Projekt“, betonte Tanja Petzi, deren Vortrag auch die Anwesenden sehr berührte. Neben den gemalten Bildern dokumentieren Fotomappen in der Ausstellung die Entstehung der Bilder und wie viel Freude die Bewohner beim Malen hatten.

Tanja Petzi bedankte sich ausdrücklich bei der Stiftung der Passauer Neue Presse mit ihrer Stiftungsbeauftragten Eva Maria Fuchs, die das Projekt durch einen Zuschuss erst ermöglicht hat. „Mein ganz besonderer Herzensdank gilt ganz wichtigen Menschen, den Künstlern“, erklärte sie weiter und überreichte diesen die ersten Exemplare des Ausstellungskataloges, der im Rahmen vom DemenzArt erschienen ist. An die Gäste der Vernissage appellierte sie: „Sind Sie mit offenem Herzen dabei, wenn Sie durch die Ausstellung gehen.“

Beeindruckt von der Aktion zeigten sich die Redner schon vor dem Gang durch die Räume. „Sie sind sehr auf dem richtigen Weg. Man kann die Werke als Kunstobjekte sehen. Der zweite Aspekt ist: Wir dürfen sie auch als Ausdruck sehen, als eine Kommunikation jenseits der Worte. Wir sind eingeladen, uns auf diese nonverbale Kommunikation einzulassen. Diese Bilder sind Ausdruck und Angebot zur Begegnung“, betonte Dr. Karl Benedikt Freiherr von Moreau, der Kuratoriumsvorsitzende des Malteserstift St. Nikola.

Der stellvertretende Landrat Klaus Jeggle, der auch im Namen der Stadt Passau sprach, sagte: „Ich bin sehr beeindruckt und darf Ihnen gratulieren zu diesem Projekt. Es ist wichtig, das Problem von Menschen mit Handicap in den in den Mittelpunkt zu stellen.“

Auch Claudia Bachl von der Fach- und Anlaufstelle für ältere Menschen der Stadt Passau sprach ihrer Hochachtung aus: „Es ist, wie ich es erwartet habe. Als ich gefragt habe, wer sich an der Bayerischen Demenzwoche beteiligen möchte, hat der Malteser Hilfsdienst in Zusammenarbeit mit dem Malteserstift schon nach einer Woche 'Hier' geschrien. Ihre Aktion ist herausragend.“

Die Vernissage umrahmte stimmungsvoll auf der Harfe Annika Hansbauer von der Städt. Musikschule. Die Veranstaltung war der Höhepunkt des Kunstprojektes DemenzArt, aber bei weitem noch nicht der Schlusspunkt. Durch die Malnachmittage hat sich im Malteserstift eine Gruppe gebildet, die auch in Zukunft kreativ sein wird. Und die Ausstellung soll auch noch an weiteren Orten in Passau gezeigt werden. So ist eine Präsentation im Seniorentreff geplant. Im Malteserstift St. Nikola, Nibelungenstr. 1, sind noch bis Donnerstag, 17. Oktober alle Interessierten zum Anschauen herzlich willkommen.

 

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