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Malteser Passau

Große Überraschung für „Pionier im Rettungsdienst“

Malteser verabschieden Karl Graf in den Ruhestand

26.09.2019
Das Abschiedsgeschenk der Kollegen überreichten Rettungsdienst-Leiter Werner Kloiber (l.) und seine Stellvertreter Roland Bucher (v.r.) und Daniel Bauer an Karl Graf.
Mit diesem Transparent begrüßten die Kollegen Karl Graf (r.) zur Abschiedsfeier im Malteserhaus.Fotos: Krenn

Hutthurm. Das war eine faustdicke Überraschung. Was die Malteser sich haben einfallen lassen, um ihren Rettungsdienst-Mitarbeiter Karl Graf in den Ruhestand zu verabschieden, sucht seinesgleichen. Zugleich zeigt es, wie geschätzt und beliebt der Hutturmer bei Kollegen, Vorgesetzten und Weggefährten ist.

Es sollte eine fast ganz normale Schicht werden für Karl Graf an der Rettungswache Hutthurm, nicht weit von seinem Zuhause entfernt. Etwas ungewöhnlich war sie freilich schon. Denn in dieser Woche hätten eigentlich die Kollegen vom BRK Dienst an der Wache gehabt. Doch sie hatten die Malteser gebeten, an diesem Mittwoch, dem letzten Arbeitstag von Karl Graf vor dem Eintritt in den Ruhestand, die Schicht zu übernehmen. Denn sie hatten vermeintlich eine Großveranstaltung zu besetzen. Dies und noch viel mehr war Teil eines Planes und der Überraschung, zu der sich unter anderem Malteser, BRK und Integrierte Leitstelle schon vor Monaten verschworen hatten. Heimlich, versteht sich, damit der Fast-Ruheständler nur ja nichts mitbekam.

Kaum in der Wache angekommen, wurde die Rettungsdienst-Besatzung auch schon alarmiert. Wovon Karl Graf nichts ahnte. Es handelte sich um einen Scheineinsatz, so wie die ganze Schicht nicht echt war. Sein Kollege war natürlich eingeweiht: „Einsatz an der Kirche“, war die Information, die Karl Graf und Hans Kloiber erhielten und sich sogleich auf den Weg machten. Doch am Rathausplatz erwarteten die beiden keine Verletzten, sondern eine frohe Schar von mehr als 50 Wegbegleitern von Karl Graf.

Der Rettungsassistent war zunächst vollkommen sprachlos: „Da habt’s mich sauber ausgschmiert“, konstatierte er, um dann strahlend jeden einzelnen der „Verschwörer“ zu begrüßen. Unter ihnen waren haupt- und ehrenamtliche Rettungsdienstler und auch viele Weggefährten. Wie etwa der Leiter der Integrierten Leitstelle, Sebastian Fehrenbach, der seinerzeit als Praktikant und später als Zivildienstleistender Einsätze mit ihm gefahren war. Oder Fritz Draxinger, Mitbegründer der Hutthurmer Gruppe vor 50 Jahren, mit seiner Frau Brigitte.

Das Treiben blieb natürlich auch im gegenüberliegenden Rathaus nicht unbemerkt. Zumal Karl Grafs Ehefrau Theresia das Ganze aus dem Fenster beobachtete. Sie hatte Bescheid gewusst, aber auch sie hatte nichts verraten. Spontan eilte 3. Bürgermeister Max Draxinger auf den Platz, um Karl Graf alles Gute für den Ruhestand zu wünschen: „Du bist eine Institution der Malteser. Herzlichen Glückwunsch im Namen der Gemeinde.“ Er überreichte einen Regenschirm: „Damit Du in Zukunft gut beschirmt bist, wenn Du spazieren gehst.“

Dann ging es zur Kirche, wo Pfarrer i. R. Herbert Oberneder einen sehr persönlichen Gottesdienst hielt, denn er kennt Karl Graf, „seit es Dich gibt“, wie er betonte. Für die feierliche musikalische Umrahmung sorgte Robert Kabuye, Fahrdienst-Mitarbeiter und Gemeindemitglied in Passau St. Anton, an der Orgel. „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft“, sagte Pfarrer Oberneder. „Doch es gibt auch noch etwas anderes. Das wichtigste im Leben wird uns geschenkt: Liebe, Freundschaft, Treue, Heimat, Geborgenheit und Hoffnung. Die Malteser helfen nicht wegen der Dankbarkeit, sondern Ihr tut es, weil Euch der Mensch ein Anliegen ist.“

Karl Graf sei aus großer Überzeugung und aus dem christlichen Glauben heraus den Menschen beigestanden und habe ihnen geholfen, wenn sie in einer Notlage waren. „Es war für Dich nicht Arbeit, sondern selbstverständlicher Einsatz und Dienst für andere. Auch bei vielen anderen Gelegenheiten warst Du einfach da. Vergelt’s Gott dafür.“

„Lieber Herr Graf, oder, wie ich Sie kennenlernte, ‚Karl Graf von Hutthurm‘“. Mit dieser in Malteser-Kreisen geläufigen Anrede für den Geehrten begann Diözesangeschäftsführer Rainer F. Breinbauer seine Dankesworte. Und weiter: „Danke dafür, dass sie vielen Menschen durch Ihre Tätigkeit das Leben gerettet haben oder in schweren Stunden, auch in der letzten Stunde, für sie da waren. Sie verstanden und verstehen es, die Liebe Gottes selbst in diesen Situationen erlebbar zu machen.“

Nach dem Gottesdienst ging die Feier im Malteserhaus weiter. In seiner Laudatio blickte Rettungsdienstleiter Werner Kloiber auf das bewegte und lange Malteser-Leben von Karl Graf und nannte ihn einen „Pionier im Rettungsdienst.“ Und ein echtes Malteser-Urgestein ist Karl Graf noch dazu. Mit 19 Jahren wurde er am 01.06.1975 Mitglied beim Malteser Hilfsdienst, machte vier Jahre später beim Wachpraktikum in der damaligen Rettungswache in Witzingerreut in der Gemeinde Büchlberg die ersten Schritte Richtung Rettungssanitäter und bestand 1980 die Prüfung. Seine Einsatzgebiete im Rettungsdienst waren damals Witzingerreut, Haidmühle (die alte Wache am Kirchenweg), Passau (die alte Diözesangeschäftsstelle im Caritashaus am Steinweg), Hutthurm und Freyung. Alles ehrenamtlich, versteht sich.

Hauptamtlicher Malteser wurde Karl Graf dann im Jahre 1994, aber nicht im Rettungsdienst, sondern als Mitarbeiter bei der Entleerung der Altkleider-Container. Aber schon ein Jahr später wurde er hauptamtlicher Retter und im Dezember 1995 konnte er die Urkunde entgegennehmen, die ihn als Rettungsassistenten ausweist. Sein Wirkungskreis waren zuletzt die Rettungswachen Passau-Hacklberg, Hutthurm, Haidmühle, Aidenbach, Annathal, Neureichenau und Fürstenzell.

„Auch im Ehrenamt hast Du viel miterlebt, wie den Papstbesuch oder die vielen Durchreisenden bei der Grenzöffnung im Jahr 1989“, betonte Werner Kloiber, der auch so manche Anekdote zu erzählen wusste.

Bereits 1991 schloss Karl Graf die Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten – BG Chemie mit Erfolg ab, mehrere weitere Seminare im Bereich Arbeitssicherheit folgten. 2002 wurde er offiziell Sicherheitsbeauftragten und 2011 folgte die Beauftragung zum Lagerverwalter.

Werner Kloiber lobte Karl Graf und seine Einstellung während all der Jahre: „Bei ihm gab es nie ein böses Wort. Was zeichnet ihn aus? Mir war er oft Ratgeber und gab sachliche Antworten auf viele Fragen. Er war nie krank. Das ist einmalig. Und es hat nie einer gesagt: ‚Ich muss mit Karl fahren‘, sondern ‚Ich darf mit Karl fahren.‘“

Diözesanleiter Georg Adam Freiherr von Aretin erklärte: „Es ist schön, wenn man weiß, dass jemand mit innerem Herzblut und Gelassenheit im Rettungsdienst ist.“ Er dankte allen, die sich haupt- und ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren.

Die Kollegen überreichten Karl Graf ein Abschiedsgeschenk, ein Extra-Geschenk gab es vom Lagerverwaltungs-Team. Der Geehrte erklärte, es hätte ihn „fast der Blitz getroffen“, als er am vermeintlichen Einsatzort ankam. Danach ließen sich alle das leckere Gulasch schmecken, das das Kochteam aus Fürholz mit Hans Kloiber und Daniel Bauer zubereitet hatte. Nun kann Karl Graf seinen Ruhestand genießen. Seinen letzten „Arbeitstag“ wird er ganz bestimmt nie vergessen.

 

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