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Malteser Passau

Ernst Stephan besuchte sein Lebenswerk

Malteser erfüllen Herzenswunsch

25.11.2019
Ernst Stephan (Mitte) und seine Frau Margarete (l. neben ihm) beim letzten Besuch auf dem Abenteuerspielplatz im Kreise anderer Ehrenamtlicher. Hinten am Rettungswagen die Malteser Christoph Sommer (l.) und Helmut Ahollinger, die Ernst Stephan mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen zum Spielplatz gebracht haben. Foto: privat

Passau. Die Spielhütte des Abenteuerspielplatzes in Grubweg ist weihnachtlich geschmückt, auf einem langen Tisch liegen selbst gebackene Plätzchen. Die Vorbereitungen für den Weihnachtszauber laufen auf Hochtouren „Die viele Arbeit hat mir sehr geholfen“, sagt Margarete Stephan. Die Ablenkung tut ihr gut, denn sie hat erst vor kurzem ihren Mann verloren. Zusammen mit den Maltesern und dem Team der Palliativstation am Klinikum konnte sie noch seinen letzten Herzenswunsch erfüllen.

„Das hier ist unser drittes Kind“, sagt die Mutter von zwei Söhnen. Seit mehr als 30 Jahren haben sie und ihr Mann Ernst hier jede freie Minute verbracht, all ihr Herzblut in den Spielplatz gesteckt. So war es auch der Herzenswunsch ihres Mannes, sein Lebenswerk und das seiner Frau noch einmal zu sehen.

Margarete Stephan erzählt von ihrem Mann. Ein Rheinland-Pfälzer sei er gewesen, vor 40 Jahren seien sie hierhergezogen und er habe immer betont: „Ich bin ein Grubweger.“ „Er war überall dabei und kannte jeden der alteingesessenen Grubweger“, berichtet Margarete Stephan weiter.

Sie erinnert sich an die Anfänge des Spielplatzes in den 1980-er Jahren. Vier Jahre haben sich sie, ihr Mann und die anderen Ehrenamtlichen bei Veranstaltungen mit Pfarrsälen und Nebenzimmern von Lokalen behelfen müssen, weil es keine feste Bleibe gab. „Mein Mann und ich waren uns immer einig. Wir hatten die gleiche Einstellung. Wenn jemand Hilfe brauchte, war er da“, betont Margarete Stephan.

Seit der Gründung des Abenteuerspielplatz Grubweg e. V. im Jahre 1985 ist sie 1. Vorsitzende, ihr Mann hat sich als 2. Vorsitzender um das Organisatorische gekümmert. Und um viele andere Dinge. So hat er beispielsweise einen eigenen Raum an die Spielhütte angebaut, in dem die Kinder Hausaufgaben machen können oder er hat gekocht oder beim Backen einen Teig nach dem anderen angemacht, wie seine Frau erzählt. Ernst Stephan sei auch anderweitig sehr engagiert gewesen. „Er war Leiter der AWO, bei der SPD und im Seniorenbeirat. Aber die Kinder und der Spielplatz waren ihm immer am Wichtigsten“, betont sie.

Im November 2010 wurde das Ehepaar Stephan für sein Engagement für die Kinder von Oberbürgermeister Jürgen Dupper bei einem Festakt im Kleinen Rathaussaal mit der Ehrennadel der Stadt Passau für Verdienste im Ehrenamt ausgezeichnet.

Im Fernsehen hatte Margarete Stephan einen Bericht über den Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser in Norddeutschland gesehen, der die letzten Wünsche von Menschen erfüllt, die nicht mehr lange zu leben haben. Sie sprach darüber mit Dr. Madeleine Schildhammer, der Leiterin der Palliativstation im Klinikum Passau. Die wusste, dass auch die Passauer Malteser seit kurzer Zeit Herzenswunsch-Krankenwagen-Fahrten durchführen. Und hat der Ehefrau vom Herzenswunsch ihres Mannes berichtet, noch einmal „seinen“ Spielplatz zu sehen. Er habe wörtlich gesagt: „Das wäre mein Herzenswunsch“, so Dr. Madeleine Schildhammer. Sie versprach, sich darum zu kümmern.

Schon zwei Tage später waren die Malteser bereit, um den letzten Wunsch von Ernst Stephan zu erfüllen. Es gibt bei der Hilfsorganisation viele Ehrenamtliche, die für diesen Dienst zur Verfügung stehen, auch kurzfristig. Denn um die Wünsche erfüllen zu können, muss es oft schnell gehen.

Ihr Mann habe es sichtlich genossen, noch einmal hier zu sein, sagt Margarete Stephan. Mit Hilfe eines Rollators ist er das Gelände abgegangen und hat sich alles angeschaut. Ihr ist auch aufgefallen, wie er einmal ganz still am Fenster stand und hinaussah. So, als möchte er alles in sich aufnehmen. Im Nachhinein ist Margarete Stephan bewusst geworden, dass ihr Mann in diesen Momenten ganz bewusst Abschied nahm von seinem Lebenswerk.

Zu seiner Überraschung waren auch viele Weggefährten gekommen und zusammen mit ihnen verbrachte er schöne Augenblicke in der Spielhütte. Auch die beiden Malteser Helmut Ahollinger und Christoph Sommer waren natürlich zum Kaffeetrinken eingeladen. Margarete Stephan lobt die große Fürsorglichkeit, mit der sie ihren Mann umgaben: „Sie haben ihn immer im Auge gehabt und sind nicht von seiner Seite gewichen.“

An einem Freitag im September erfüllten die Malteser den letzten Wunsch von Ernst Stephan, kurz nachdem er wieder im Klinikum war, fiel er ins Koma, in der Nacht vom darauffolgenden Sonntag auf Montag ist er für immer eingeschlafen. „Uns war nicht bewusst, wie ernst es um ihn stand. Wir hatten noch so viele Pläne. Wir wollten im Herbst in den Urlaub fahren ins Gebirge“, sagt Margarete Stephan. Trotz allem Schmerz und aller Trauer tröstet die Witwe „Zu wissen, dass sein Wunsch noch erfüllt wurde.“ Als sie zu ihm ins Klinikum gekommen ist, habe er so friedlich ausgesehen, als würde er schlafen. Noch eines ist für sie tröstlich: „Ich weiß, er wurde in seinen letzten Tagen hervorragend versorgt.“ Margarete Stephan würde sich wünschen, dass die Palliativstation ausgebaut wird: „Jeder Mensch, der im Sterben liegt, hat es verdient, dass er so versorgt wird. Sechs Betten reichen da nicht aus.“

Sie ermuntert Menschen ihn ähnlichen Situationen, den kostenlosen Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser in Anspruch zu nehmen: „Es gibt viele Leute, die noch etwas im Kopf haben, was sie unbedingt noch einmal machen möchten. Ich würde das auf alle Fälle empfehlen. Erfüllt ihnen diesen Wunsch.“

Margarete Stephan hat in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt, ihr Engagement am Spielplatz zu beenden. „Du musst weitermachen“, habe ihr Mann gesagt. Und so macht sie weiter. Im Moment hat sie alle Hände voll zu tun mit den Vorbereitungen für den Weihnachtszauber. Und sie würde sich freuen, wenn möglichst viele Menschen am Samstag, 30 November ab 15.00 Uhr zum Abenteuerspielplatz in die Bayerwaldstr. 30 nach Grubweg finden. Um 18.00 Uhr kommt der Nikolaus und beschenkt die Kinder. „Jeder, der kommen möchte, ist herzlich eingeladen, egal, ob Jung oder Alt, ob aus der Stadt oder der Umgebung. Es gibt Leckerl, Adventskränze, selbstgemachte Marmelade, ausgezogene Krapfen, Bratwürste und vieles mehr“, sagt Margarete Stephan.

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